Oeufs mimosa

Mimosen gegenüber hege ich freundliche Gefühle. Anders als bei anderen Pflanzen, die ich einfach so aufgrund ihrer Schönheit mag, beruht meine Sympathie für Mimosen auf einigen wenigen, konkreten, mehr oder weniger blitzlichtartigen Erinnerungen und Assoziationen, die zunächst überhaupt nichts mit ihrem Aussehen zu tun haben. Denn dass Mimosen blühen, wusste ich lange Zeit überhaupt nicht. Da ist zunächst einmal natürlich, in frühem Grundschulalter angesichts einer Bonsai-Mimose, die Faszination darüber, dass es Pflanzen gibt, die reagieren, und dass diese Reaktion nicht einfach nur mechanisch wirkt, wie beim Springkraut, sondern wie tatsächliches Verhalten (auch wenn das natürlich nicht ist). Dann kommt lange nichts bis zu einem Mittagessen Ende der 90er mit Mitarbeiterinnen eines Friseurladens in Bangkok, alldieweil sich mein Freund T. mit einem ausgeliehenen Bartschneider selbst die Frisur wieder in Form brachte, nachdem der vorhergehende Besuch in einem anderen Salon zu einem stilistischen Desaster geführt hatte. Es gab viel Gekicher über seinen seltsamen Wunsch, über meine raspelkurzen Haare und über unsere sehr beschränkten Verständigungsmöglichkeiten, dazu vollkommen unbekanntes Mitgebrachtes aus Tupperdosen, unter anderem ein Gericht aus Mimosenzweiglein. Wie sie geschmeckt haben, ist indes nicht hängen geblieben. Vor einigen Jahren dann trat die Mimose in der Erzählung einer russischen Bekannten erstmalig nicht als Blatt- sondern als Blütenwerk in Erscheinung, als eine der „Blumen“, die dort zum Weltfrauentag am 8. März verschenkt werden, der in den Ländern der ehemaligen Sowjetunion nach wie vor begangen wird. Letztes Jahr schließlich Schlag auf Schlag: das Stolpern – und das Entzücken – über die ehemals gebräuchliche deutsche Übersetzung des botanischen Namens Mimosa pudica als schamhafte Sinnpflanze, die im Winter erstmals in echt gesehene leuchtend gelbe Pompom-Blüten-Pracht (die leider geheizte Räume gar nicht verträgt), und zu guter Letzt bei einem Essen bei meinen Eltern die kulinarische Interpretation ebenjener Farbexplosion, die in ihrer mayonnaisigen Schwere zwar wenig gemein hat mit der pudrigen Leichtigkeit der tatsächlichen Mimosenblüten, aber so lecker waren, dass wir sie uns gleich mal zur Adaption gemopst haben.


Rezept
für 2 Personen

3 hartgekochte Eier
3 EL Mayonnaise
2 getrocknete Tomaten (nicht eingelegte)
3 EL Petersilie, fein gehackt

statt Tomaten und Petersilie kann man das Eigelb natürlich nach Belieben auch anders würzen, etwa mit Schinkenwürfelchen, gehackten Kapern, Schnittlauch oder anderen Kräutern.

*          *          *

Tomaten in feine Streifchen und dann in winzige Würfelchen schneiden. Eier schälen und halbieren, die Eigelbe herausnehmen. Ein Eigelb durch ein engmaschiges Sieb drücken, so dass feine Krümel entstehen. Dies erfolgt aus rein ästhetischen Gründen für den Mimoseneffekt (s. Photo oben), wer keinen Sinn in derartigen Spielereien sieht, kann das Eigelb selbstverständlich auch auf unkompliziertere Art zerbröckeln. Die beiden anderen Eigelbe zerdrückt mit der Mayonnaise, der Petersilie und den Tomatenwürfeln vermischen und mit Salz und Pfeffer abschmecken, Mischung zurück in die Dotterhöhlen füllen. Eier auf einem Teller anrichten und mit den Eigelbwürmchen und etwas Petersilie bestreuen.

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