Blutorangen-Ricotta-Kuchen

Einige Wochenenden lang hingen bei uns Kuchengelüste in der Luft. Sie wurden zunehmend raumgreifend, weshalb wir uns letzten Sonntag mit ihnen an einen Tisch gesetzt haben. Darauf stand obiger Blutorangen-Ricotta-Mandelkuchen. Nicht zu süß, saftig und dezent fruchtig löste er alle Wünsche im Nu in Wohlgefallen auf, seine etwas kuchenuntypische Konsistenz – sehr weich und sehr feucht – brachte ihn zudem als Dessert-Option ins Spiel. Was praktisch war, denn wir hatten uns für gestern als Nachtischlieferanten angeboten, sind in diesem Bereich aber nicht besonders versiert. Und ja: auch als Abschluss eines leckeren Essens, auch in fremder Umgebung, auch auf den Zungen unserer Gastgeberinnen und, für uns, auch zum zweiten Mal innerhalb einer Wochen ausgesprochen lecker!!


Rezept
für eine kleine Kuchenform (ø 18 cm – für andere Formgrößen s.u.)

130 g Mascobado
2 Blutorangen
2 große Eier
80 Butter
100 g Ricotta
30 Maismehl
90 g Mandelmehl
Salz

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Oeufs mimosa

Mimosen gegenüber hege ich freundliche Gefühle. Anders als bei anderen Pflanzen, die ich einfach so aufgrund ihrer Schönheit mag, beruht meine Sympathie für Mimosen auf einigen wenigen, konkreten, mehr oder weniger blitzlichtartigen Erinnerungen und Assoziationen, die zunächst überhaupt nichts mit ihrem Aussehen zu tun haben. Denn dass Mimosen blühen, wusste ich lange Zeit überhaupt nicht. Da ist zunächst einmal natürlich, in frühem Grundschulalter angesichts einer Bonsai-Mimose, die Faszination darüber, dass es Pflanzen gibt, die reagieren, und dass diese Reaktion nicht einfach nur mechanisch wirkt, wie beim Springkraut, sondern wie tatsächliches Verhalten (auch wenn das natürlich nicht ist). Dann kommt lange nichts bis zu einem Mittagessen Ende der 90er mit Mitarbeiterinnen eines Friseurladens in Bangkok, alldieweil sich mein Freund T. mit einem ausgeliehenen Bartschneider selbst die Frisur wieder in Form brachte, nachdem der vorhergehende Besuch in einem anderen Salon zu einem stilistischen Desaster geführt hatte. Es gab viel Gekicher über seinen seltsamen Wunsch, über meine raspelkurzen Haare und über unsere sehr beschränkten Verständigungsmöglichkeiten, dazu vollkommen unbekanntes Mitgebrachtes aus Tupperdosen, unter anderem ein Gericht aus Mimosenzweiglein. Wie sie geschmeckt haben, ist indes nicht hängen geblieben. Vor einigen Jahren dann trat die Mimose in der Erzählung einer russischen Bekannten erstmalig nicht als Blatt- sondern als Blütenwerk in Erscheinung, als eine der „Blumen“, die dort zum Weltfrauentag am 8. März verschenkt werden, der in den Ländern der ehemaligen Sowjetunion nach wie vor begangen wird. Letztes Jahr schließlich Schlag auf Schlag: das Stolpern – und das Entzücken – über die ehemals gebräuchliche deutsche Übersetzung des botanischen Namens Mimosa pudica als schamhafte Sinnpflanze, die im Winter erstmals in echt gesehene leuchtend gelbe Pompom-Blüten-Pracht (die leider geheizte Räume gar nicht verträgt), und zu guter Letzt bei einem Essen bei meinen Eltern die kulinarische Interpretation ebenjener Farbexplosion, die in ihrer mayonnaisigen Schwere zwar wenig gemein hat mit der pudrigen Leichtigkeit der tatsächlichen Mimosenblüten, aber so lecker waren, dass wir sie uns gleich mal zur Adaption gemopst haben.


Rezept
für 2 Personen

3 hartgekochte Eier
3 EL Mayonnaise
2 getrocknete Tomaten (nicht eingelegte)
3 EL Petersilie, fein gehackt

statt Tomaten und Petersilie kann man das Eigelb natürlich nach Belieben auch anders würzen, etwa mit Schinkenwürfelchen, gehackten Kapern, Schnittlauch oder anderen Kräutern.

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Sellerieschnitzelchen mit Parmesan-Panade

Den für diese Tage angekündigten Temperatumschwung in deutlich zweistellige Plusbereiche Kopf und das mir beim morgendlichen Lüften entgegengeschallte Vogelgezwitscher im Ohr sprang ich heute das erste Mal seit Langem wieder in meine Joggingschuhe, trabte voller Vorfreude Richtung Wald und landete – es handelt sich um einen Wald in Nordlage – auf einem Eispanzer, der mich nach kurzem, nicht mehr ganz so freudigem Geschlitter zur Revision meiner Pläne, sprich, zur Umkehr bewog.

Das Alternativprogramm für den Rest des Tages war nicht mehr ganz so dynamisch und mündete in einem während des Abendessens noch einmal ausgiebig zelebrierten Bauchpinseln unseres Winterspecks; die Sellerieschnitzelchen in parmesan-angereicherter Panade waren zu diesem Zweck hervorragend geeignet.


Rezept
für 2 Personen

400 g Sellerie
2 Eier
7 El geriebenen Parmesan
10 EL Semmelbrösel
Salz, Pfeffer, Öl

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Marokkanische Linsen

Vieles, das wir gerne mögen, essen wir viel zu selten. Wenn wir das merken, geloben wir schnell Besserung und nehmen uns vor, Suppen, Kartoffeln, Flammkuchen, Nudeln mit Tomatensauce oder was auch immer gerade wieder in unser Bewusstsein gerückt ist, in höherer Frequenz zu kochen, wobei einmal die Woche unsere Standard-Zielvorgabe ist.
Glücklicherweise halten wir uns da nicht wirklich dran, unsere Abendessen wären ziemlich verplant. Trotzdem wünsche ich mir manchmal etwas weniger Inkonsequenz. Bei der Jahresinventur unserer Lebensmittelvorräte beispielsweise zeigte die Vielfalt großer, kleiner, roter, gelber, weißer, schwarzer, gescheckter, geschälter, gespaltener, kichernder, einäugiger Linsen, Bohnen und Erbsen, dass sich unser Faible für Hülsenfrüchten in unseren Einkäufen zwar deutlich niederschlägt, wir beim Verkochen aber ziemlich hinterherhinken. Deshalb: Auch wenn wir keinen Jahreswechsel für küchenbezogene gute Vorsätze brauchen – immerhin noch 51 1/2 frisch und unverplant vor uns liegenden Wochen bieten sich doch ideal dafür an, das auch in diesem Fall schon mehrfach beschlossene ein mal wöchentlich etwas ernsthafter ins Auge fassen!

Los geht’s mit einer Empfehlung für den Wiedereinstieg in den nachfeiertäglichen Alltag in Form einer marokkanischen Linsensuppe. Kein großer Küchenzauber, dennoch sehr lecker und gut nebenbei für die nächsten ein, zwei Tage im Voraus zuzubereiten – womit auch meinem Dauervorsatz, unter der Woche nicht allzuviel Zeit mit Kochen zu verbringen, Genüge getan wäre.


Rezept
für 2 x 2 Personen
Kochzeit ca 1h, davon mind. 30 Minuten unbeaufsichtigt

250 g grüne Linsen
1 große Mohrrübe
4 getrocknete Aprikosen
2-3 EL Tomatenmark
1 Zwiebel
2 Knoblauchzehen
2 TL Kreuzkümmel
1 TL Paprikapulver
1 TL Kurkuma
1 TL getrockneter Ingwer
1/2 TL Zimt
Olivenöl, Salz, Pfeffer
nach Geschmack Petersilie und/oder Koriander

Dazu passen z.B. Weißbrot, Reis oder angebratene Polenta

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vegetarischer Borschtsch

Noch vier Adventswochenenden, dann ist Weihnachten. Noch ein Monat, dann ist das Jahr rum. Der Wunsch, dass diese Restzeit nicht in Stress ausarte, sondern eine Zeit der Muße, des Innehaltens oder Sich-Besinnens sei, ist weit verbreitet. Allerdings sind die Gründe für diesen Wunsch, die oben genannten, Weihnachten und Jahresende, gleichzeitig diejenigen, die seiner Umsetzung im Wege stehen, und je weiter der Dezember rückt, desto mehr wird sich diese paradoxe Situation zuspitzen.

Mein Vorschlag für eine endspurtentschleunigende Abendgestaltung jetzt, wo der Countdown gerade erst zu laufen angefangen hat, ist die Zubereitung eines Borschtschs. Denn den schüttelt man nicht mal schnell aus dem Ärmel, zumindest nicht, wenn man ihn so wie ich gerne mit filigran gestifteltem Gemüse isst. Gleichzeitig erfordert er nicht viel Konzentration und ist somit sehr geeignet für ein gemütlich gemeinsam verschwatzten Kochabend.
Das Rezept habe ich mir entlang des Kochbuchs „Nationale Küchen“ zusammengebastelt, das Ende der 70er Jahre einen Überblick über typische Gerichte der sowjetischen Unionsrepubliken gab. Schon das Einlesen ist nichts für Ungeduldige – insgesamt dreieinhalb bilderlose Seiten mit insgesamt sieben Rezeptvarianten sowie vier Möglichkeiten, wie man den Rote Beete-Kwas ansetzt, der dem Borschtsch seine milde Säure verleiht. Lässt man sich darauf ein, hat das nichts abschreckendes, im Gegenteil – als ich die anderthalbseitige Einleitung hinter mir hatte, hätte ich am liebsten die Axt aus dem Schuppen geholt, um einen Sack voll Knochen längsweise aufzuspalten und so die 6 1/2 Stundenvariante des Borschtschs zubereiten zu können. Trotzdem habe ich diese Version auf eine andere Gelegenheit vertagt und uns für eine vegetarische, immerhin auch noch 1 1/2 Stunden dauernde Abwandlung entschieden, die uns schnippelnder- und genießenderweise einen gleichermaßen angenehm entspannten wie entspannenden Start ins erste Adventswochenende beschert hat.

*          *          *

PS: Natürlich haben auch wir unseren Bortsch mit Sauerrahm gegessen, ich habe es jedoch nicht über mich gebracht, die Monochromie des Photos zu zerstören.

Und wo ich gerade bei der „typischen“ Farbigkeit des Borschts bin, gibt’s auch noch ein PPS: hättet Ihr gedacht, dass der Eintopf farblich sozusagen eine 180 Gradwendung mitgemacht hat und ursprünglich mal grün war? Nachzulesen hier in einem überaus interessanten Artikel des Publizisten Udo Pollmer zur Geschichte des Borschtschs – nur für den Fall, dass man vor dem Servieren noch ein paar ruhige Minütchen übrig hat…


Rezept
für 2 x 2 Personen

gut 600 g Rote Beete
400 g Weißkraut
400 g Kartoffeln
200 g Mohrrüben
200 g Petersilienwurzel
1 Zwiebel
4 Lorbeerblätter
250 ML Brottrunk
2 EL Essig
1 EL Tomatenmark

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